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Entwurfsphase Wintersemester 2013/14

Durch die unterschiedlichen Vorentwurfsphasen des letzten Semesters konnten wir genau definieren, was für die Schule der Zukunft in Bertoua möglich und notwendig ist. Darauf aufbauend haben wir die Grundlagen und Kriterien für den finalen Entwurf festgelegt. Im Wintersemester werden die Qualitäten der beiden vorausgehenden Entwürfe noch einmal überprüft und während der ersten Wochen vereint. Danach beginnt die Ausführungsplanung und die Ausarbeitung im größeren Maßstab bis ins Detail hinein. Dabei achten wir eine Art "Katalog" zu erstellen um auf die Gegebenheiten vor Ort reagieren zu können.

Masterplan :   „Rising School“

Der Entwurf einer Grundschule mit integriertem Kompetenzzentrum für Erwachsenenbildung in der Provinzhauptstadt Bertoua, ist geprägt durch die Integration eines klima- und regionsgerechten, ökologischen Gebäudekonzeptes, welches innovative Lern-, Aufenthalts- und Versammlungsorte schafft und damit sowohl für Schüler und Lehrende als auch für die breite Bevölkerung einen wichtigen Beitrag für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung  leistet. Diese Funktion als bildungs- und gesellschaftsstiftender Initiator ist von besonderer Bedeutung, da das direkte Umfeld von schnellem Wachstum geprägt ist, in dem sich besonders Menschen aus ländlichen Regionen ansiedeln, welche in der Agrarwirtschaft kein ausreichendes Einkommen erwirtschaften können oder denen die Subsistenzwirtschaft aufgrund schwindender Ackerflächen unmöglich geworden ist.

Die Grundschule soll neben allgemeiner Wissensvermittlung nach dem kamerunischen Lehrplan ein breites Spektrum an Weiterbildungsmöglichkeiten, unabhängig vom Alter, oder kulturellem Hintergrund anbieten und all denen Zugang zu adäquater Bildung ermöglichen, welchen die Nutzung etablierter Bildungsinstitutionen auf Grund ethischer, religiöser, sozialer oder finanzieller Gründe bisher verwehrt blieb. Zum Raumprogramm  gehören sechs Klassenräume, ein Raum für eine Vorschulklasse, ein Pädagogenraum mit der Möglichkeit der Mediennutzung und ein Mehrzweckbereich unter anderem für Workshops oder „Summer-Schools“ der Hope Foundation, sowie ein öffentlicher Stadtplatz, als Forum für die Gesellschaft, auf welchem Großveranstaltungen wie Wochenmärkte, Tanzveranstaltungen und Gemeindeversammlungen abgehalten werden können. Auf bisherigem Ackerland gelegen und als erstes Gebäude im näheren Umfeld resultiert die räumliche Struktur aus dem Bestreben, sowohl zur öffentlichen Erschließungsstraße eine offizielle und institutionelle Geste zu formulieren, welche ein notwendiges Maß an Sicherheitsbewusstsein demonstriert als auch dem Verlangen nach offenen Strukturen gerecht zu werden, welche die Integration formeller wie informeller Lernformen erlaubt.

Das Hauptelement zur Definition der unterschiedlichen Raumsituationen sind weit in die Landschaft hinausragende Wandscheiben welche die Innen- und Außenräume aufspannen. Die Seite des Gebäudes welche zur Stadt und dem öffentlichen Raum orientiert ist, wird durch besonders dicke und massive Wandscheiben gebildet welche an dieser Stelle neben der abschirmenden Wirkung auch Sonderfunktionen wie Marktstände und Sitzmöglichkeiten bereitstellt. Sie bilden auch eine wahrnehmbare Schwelle zwischen öffentlichem Stadtbereich und privaterem Schulbereich aus. Diese Schwelle wird betont durch die überdachte Mehrzweckhalle sowie den Räumen für Lehrkräfte und Administration. An diesem Ort haben externe Besucher wie auch Eltern der Schüler die Möglichkeit des Austausches und können bereits die Funktionen der Lernlandschaft beobachten, ohne dass sich die Schüler im inneren der Schule unbehütet oder der Öffentlichkeit ausgeliefert fühlen würden. Dadurch sollen alle Mitglieder der Gemeinschaft informiert und animiert werden, an dem Lehrangebot der Schule zu partizipieren und die Bedeutung von Bildung und die daraus resultierenden Möglichkeiten zu verinnerlichen.

Nach Durchschreiten des halböffentlichen Mehrzweckbereiches öffnet sich der Blick des Besuchers in einen großzügigen Innenhof, welcher dem Bewegungsdrang junger Schüler gerecht wird, zum Spielen einlädt und für alle Arten von Versammlungen der Schüler genutzt werden kann. Um diesen zentralen Platz gruppieren sich die Klassenräume welche als solitäre Pavillons ausgebildet sind, welche ihrerseits von in die Umgebung ragenden Wandscheiben gebildet werden und mittels dieser Geste sowohl Kassenräume, außenliegende Lernbereiche und intimere Zwischenbereiche definieren. Durch diese Verzahnung der Klassenräume untereinander wie auch mit der umgebenden Natur lassen sich zahllose Lern- und Spielsituationen generieren. Diese Zwischenbereiche weiten sich im hinteren Bereich der Schule deutlich auf, wobei das Verhältnis von offenem und umbauten Raum sukzessive abnimmt, so dass hier auf die Ansprüche von Schülern aller Altersklassen mittels der Raumgestaltung reagiert werden kann und je nach Anforderung der Klassenraum mit individuellen Außenräumen zusammengeschlossen werden kann. Diese einzelnen Elemente werden durch ein Erschließungs- und Zirkulationssystem von Stegen miteinander verbunden, welche zum einen in der Regenzeit für einen notwendigen Abstand vom Boden sorgen und zum anderen jedem Raum entsprechende Zonen zuordnen und individuell bespielte Lernhöfe und Nischen bilden.

Diese Art der Raumbildung erlaubt es, innovative und den Nutzern angepasste Lernsituationen zu formulieren und zugleich den besonderen Anforderungen des lokalen Kontextes zu entsprechen, auf dass ein nachhaltiges Schulmodell implementiert werden kann und der heutigen wie zukünftigen Gesellschaft neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet.

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Entwurfsphase Sommersemester 2013

Ein vorläufiger Architekturwettbewerb, im mehrphasigen Verfahren hat bereits stattgefunden um die Möglichkeiten und Potentiale eines solchen Entwurfes zu untersuchen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse und Kritik nutzte die Gruppe um in größeren Arbeitsgruppen drei verschiedene Prinzipien bezüglich des Schulentwurfes weiter architektonisch zu verfolgen. Zwei Teams beschäftigten sich mit dem Thema Introvertiertheit vs. Offenheit, da sich beides als Qualität herausstellen könnte. Das dritte Team hingegen spezialisierte sich auf partizipative Strategien und  mögliche „Bausysteme“ vor Ort.

Entwurf 1 :   „Der Bildungshafen“ 

Der „Bildungshafen“ ist ein Entwurf mit dem Schwerpunkt, die gesamte lokale Gemeinschaft durch ein programmatisches Angebot mit einzubeziehen, dieses geht weit über das einer traditi­onellen Schule hinaus.

Durch das Integrieren von verschiedenen sozialen Treffpunkten, bzw. durch das Integrieren der Pau­senhöfe, in die öffentlichen Außenbereiche und das Schulgebäude selbst, in denen die Schüler, Lehrer, Eltern und externe Besucher die Möglichkeit haben zu kommunizieren, ihre Gedanken miteinander zu teilen und einander kennen zu lernen, kann die Situation in Hinsicht auf Diskriminierung, Anonymität und die daraus resultierende mangelnde Perspektive deutlich verbessert werden. Zusätzlich werden die Lehrkräfte der Schule enger zusammenwachsen und effektiver und kreativer hinsichtlich ihrer Lehraufgaben tätig sein können. Diese sogenannten ‘meeting areas‘ sind durch ihren Grad an Privatheit und Öffentlichkeit definiert, wie zum Beispiel der Spielplatz, die Mehrzweckhalle, Lehrer- u. Direktorzimmer usw.. Hintergrund dieses Entwurfes ist eine schnell wachsende urbane Gemeinschaft und den damit verbundenen Verlust lokaler, ethnischer Identität, welche durch das neue Gebäude zurück gewonnen werden soll.

Die Idee des „Bildungshafen“ geht zum einen aus der symbolischen Bedeutung eines Hafens, als einen geschützten und sicheren Ort, und zum anderen aus der bildlichen Vorstellung des Hafens, bestehend aus einer Vielzahl von Ele­menten, die sich auf die Funktionen innerhalb einer Schule übertragen lassen, hervor. Der architektonische Ausdruck der Schule ist stark durch das ‘terminal‘ -Gebäude geprägt, welches zur Stadt orientiert, sowohl als Eingangstor, jedoch vor allem als sanfter Übergang von der Stadt in das Gebäude fungiert. Zu diesem Bereich hat die gesamte Gemeinschaft Zugang und kann dort Wissen und Erfahrungen frei miteinander austauschen. In dieser offenen, flexiblen Struktur befindet sich zugleich die Mehrzweckhalle. In gleicher Instanz stellt dieser Teil des Komplexes eine sanfte Schwelle und somit eine leichte Barriere zu den etwas privateren, in den Hof orientierten Klassenzimmern dar. Die Klassenzimmer docken, wie Boote im Hafen, an einen Steg an, der als Erschließung, Erweiterung des Klassenzim­mers, oder Rekreationsfläche fungiert. Es handelt sich um autonome, sehr individuell gestaltete Klassenzimmer, die in ihrer Struktur höchst flexibel sind und sehr gezielt ihre unmittelbaren Außenräume nutzen.

Entwurf 2 :   „Wonderwall“

Wonderwall ist ein einfaches, nur aus einer Wand bestehendes Gebäude, in dem sich sowohl die Schule, als auch ein Gemeindezentrum befinden. Durch das Bauen einer einzigen 3m hohen Wand werden formell nicht nur Räume für das Lernen, sondern auch Sport, Kochen, Administration, Ackerbau und Gärten für 250 Schüler geschaffen. Die Idee besteht darin, nicht nur den Studenten, sondern auch der gesamten Gemeinschaft von Bertoua die Möglichkeit zu geben, die Architektur mit zu gestalten; so dass dieses Gebäude zum Kern der lokalen Gemeinschaft wird. Die dicke Wonderwall, die die gesamte Schule umgibt, passt sich dem Programm und den atmosphärischen Parametern der gewünschten Räume innerhalb des Gebäudes individuell an. Die Wonderwall wird primär als Sicherheitsmaßnahme und Isolierung der Schule fungieren. Sie kreiert jedoch vor Allem Räume durch sich selbst, die mal Außen-, mal Innenräume formen. Zusätzlich zu den programmatischen Anforderungen ist die Wand in der Lage, gewünschte Atmosphären durch Lichtführung, natürliche Belüftung, Farbe, Muster und Bepflanzung zu erzeugen.

Der Aspekt der Sicherheit zieht sich durch das gesamte Konzept. Durch das Teilen des Gebäudes in vier Sicherheitsebenen, erreicht der Entwurf sichere Lernräume innerhalb eines dennoch relativ ‘offenen‘ Grundrisses. Das Gebäude besitzt einen einzigen Durchgang von den Außenbereichen ins Innere hinein und somit auch die Möglichkeit den gesamten Schulkomplex je nach Bedarf zu öffnen, oder zu verschließen. Komplementär dazu entsteht innerhalb ein Hof, dessen Grad an Öffentlichkeit, durch das Schließen der Wandelemente der einzelnen Klassenzimmer reguliert werden kann. Zusätzlich wird das Raumprogramm bei diesem Entwurf als eine weitere Sicherheitsmaßnahme genutzt. Die Materialität und Form des Gebäudedaches nimmt Elemente der lokalen Architektur auf und interpretiert diese neu, um atmosphärisch innovative und funktionale Räume zu erzeugen. Neben den ästhetischen Eigenschaften, besteht das Gebäude konstruktiv aus mit Ziegelsteinen gemauerten Wänden, welche durch ein Holzfachwerk als Dachunterkonstruktion ergänzt werden. 

Die sechs Klassenzimmer bilden traditionelle Unterrichtsräume mit Nischen, wobei jedes Klassenzimmer einem Altersniveau entspricht. Der Nutzer wird von Jahr zu Jahr in den nächsten Raum umziehen. Die Zimmer befinden sich auf der introvertierten Seite der Wand, wobei sich die jüngeren Schüler weiter vom Eingang der Schule, in die geschützteren Bereiche zurück ziehen können, wohingegen ältere Schüler die Gelegenheit bekommen, mit den Menschen im Außenbereich der Schule zu interagieren. Zwei der jüngsten Klassen besitzen zusätzlich einen Zwischenraum, durch den sich drei Räume zu einem Großen verbinden lassen, da der Unterricht in größeren Gruppen für jüngere Schüler in Kombination mit spezifischen Lerntechniken oft von Vorteil ist. Die alternativen, zwischenräumlichen Lernorte, die sich sowohl an der inneren, als auch an der äußeren Seite der Wonderwall befinden, bieten Möglichkeiten für moderne, neue Arten der Unterrichtsgestaltung. Obwohl man von der Notwendigkeit traditioneller Klassenzimmer, insbesondere für jüngere Jahrgänge überzeugt ist, glauben wir, dass auch Alternativen für kreativeres Lernen angeboten werden müssen. Das Sekretariat befindet sich direkt am Eingang des Gebäudes, wo jeder Schüler vorbeilaufen muss, auf dem Weg zur oder aus der Schule. Dies sorgt für einen zusätzlichen, indirekten Schutz der Schüler, da der Schuldirektor eine Überwachungsfunktion direkt am Eingang übernehmen kann.

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